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viel Spaß beim Weiterlesen wünscht Ihnen Orhan Akman
 
Keine Steuergelder für Religion und Gotteshäuser PDF Drucken E-Mail
Aktuelles - Interviews

Eine rechte türkische Wählerinitiative versucht, in München Kandidaten aller Parteien für Lobbyarbeit zu gewinnen. Ein Gespräch mit Orhan Akman*

Interview für "junge Welt " von Claudia Wangerin


Sie haben am Freitag an einer Podiumsdiskussion der »Türkischen Initiative für Kommunalwahlen in München« in den Räumen der botschaftsnahen DITIM-Gemeinde teilgenommen. Was war der Sinn dieser Veranstaltung?

Hauptproblem war, daß die Kandidaten nicht aufgrund ihres Parteiprogramms und ihrer inhaltlichen Positionen eingeladen worden waren, sondern aufgrund ihrer türkischen Namen. Die DITIM-Gemeinde ging anscheinend davon aus, daß wir wegen unserer Abstammung alle möglichen Projekte der türkischen Community fördern und Lobbyarbeit für sie betreiben würden.

Wie stehen Sie dazu?
Das sehe ich grundlegend anders. Nicht nur, weil ich in der Türkei als eines von fünf Kindern einer kurdischen Familie geboren wurde und erst in der Grundschule Türkisch gelernt habe. Mir kommt es auf die Inhalte an, die soziale Frage steht für mich im Vordergrund: ich möchte nichts fördern, was die Gesellschaft spaltet. DITIM ist eine religiöse Gemeinde, steht unter der Aufsicht des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten und ist in ihrer politischen Ausrichtung eindeutig rechtskonservativ. Ich kandidiere aber nicht zufällig für Die Linke.

Welche Parteien waren dort noch durch türkischstämmige Kandidaten vertreten, und wie haben die sich positioniert?

Außer mir waren Kandidaten der FDP und der SPD anwesend. Bis auf meine Wenigkeit haben alle Kandidaten gesagt, daß die Parteizugehörigkeit »unter uns« nicht so wichtig sei, weil wir ja dort die Community vertreten sollten, und da müsse man parteiübergreifend zusammenarbeiten. Punktuell mag das sinnvoll sein, solange die Parteien nicht rechtslastig oder faschistisch sind, aber die soziale Frage steht für mich im Vordergrund. Auch und gerade, wenn es um Integration geht.
Deshalb habe ich die Hartz-IV-Gesetze thematisiert, die Rentenkürzungen und die Einführung der Studiengebühren. Arbeitslosigkeit und Agenda-2010-Politik treffen ja zuerst die unteren Schichten und besonders Migranten. Die haben allgemein schlechtere Ausgangsbedingungen, einen schlechteren Zugang zu höherer Bildung und damit zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Das war aber in dieser Veranstaltung schwer zu vermitteln, weil die Moderation das Thema immer wieder auf das Türkentum als solches lenkte.

Inwieweit ist die DITIM-Gemeinde repräsentativ für die türkische Community?

In diesem Punkt kann man München nicht mit Städten wie Berlin oder Köln vergleichen. Natürlich gibt es überall türkische Linke. Aber in München ist die türkische Community überwiegend rechtskonservativ. Türkische Nationalistenvereine sind hier deutlich besser organisiert als die türkische Linke. Das zeigt auch die Besetzung des Ausländerbeirats. Da gibt es sogar ein paar Mitglieder, die den faschistischen »Grauen Wölfen« nahestehen. Der Ausländerbeirat wollte ursprünglich mit seiner eigenen Liste »Vielfalt München« antreten, die aber an der Unterschriftenhürde gescheitert ist. Daraufhin haben sich rund 20 Vereine zusammengetan, um die Interessen der türkischen Community in die Parteien zu tragen.

Mit Erfolg?

Die türkischstämmigen SPD-Kandidaten haben zum Beispiel in der Podiumsdiskussion gesagt, sie würden den Moscheebau der DITIM-Gemeinde in München-Sendling fördern. Ich wurde dazu nicht befragt, aber meine persönliche Meinung ist, für den Bau von Gotteshäusern sollten keine Steuergelder ausgegeben werden. Als Atheist bin ich auch dagegen, daß der Staat Kirchensteuern einsammelt. Die Religionen sollten gleich behandelt werden, aber nicht, indem man sie alle mit Steuergeldern subventioniert, sondern indem man genau das nicht tut. Die Religion ist eine Angelegenheit zwischen den Gläubigen und ihrem Gott. Meine Leitlinie fürs Leben ist eher der Marxismus.

Freuen Sie sich mit der türkischen Community, daß Roland Koch mit seinem demagogischen Wahlkampf zum Thema »Ausländerkriminalität« in Hessen eine Niederlage erlitten hat?

Allerdings, das geschieht ihm recht.


* Orhan Akman kandidiert in München zu den bayerischen Kommunalwahlen am 2. März auf Listenplatz 2 der Partei Die Linke. Er ist hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft ver.di im Fachbereich Handel.
 
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